Strahlemann kommt in die norddeutsche Heimat

Stiftung für benachteiligte Jugendliche eröffnet neuen Stützpunkt

Von Cloppenburg aus will der Verein des Designers Herbert Feldkamp die Idee im Norden verbreiten, Schüler bis zum Beruf zu begleiten. Dafür setzt sich der neue Geschäftsführer Clemens gr. Macke ein.

Über 1300 Hauptund Oberschüler hat die Strahlemann-Stiftung bundesweit vom Klassenzimmer bis an den Arbeitsplatz begleitet. Jetzt dehnt Mitgründer und Ideengeber Herbert Feldkamp die in Cloppenburg und Hessen erprobteAktion auf ganz Norddeutschland aus – mit prominenter Unterstützung.

Ausgangspunkt der Offensive ist der gestern eröffnete Strahlemann-Stützpunkt Nord im Gründerzentrum an der Sevelter Straße 6. Geschäftsführer Clemens gr. Macke aus Addrup und die ehrenamtliche Büroleiterin Maria Zurwellen aus Cloppenburg suchen zwischen Kiel und Münster Partnerschulen, um Schüler mit schwachen Noten besonders zu fördern. „Die Resonanz ist jetzt schon enorm“, sagte gr. Macke. Der ehemalige Landtagsabgeordnete hat Termin-Anfragen aus Hannover, Braunschweig und Hildesheim gesammelt. Das Ziel: Nach dem Muster der Talent Company im Cloppenburger Haus des Handwerks sollen Schulen medientechnisch hochgerüstete Räume zur Berufsorientierung erhalten, in denen Personalchefs auf dieSchüler zugehen, Berufsbilder und Firmen vorstellen. Zugleich lotet die Talent Company in Tests die Fähigkeiten der Jugendlichen aus. „Wir fragen, wo die Stärken liegen“, betont Feldkamp, „nicht, was die Jugendlichen nicht können.“ Diese Wertschätzung wecke Selbstbewusstsein und Leistungsbereitschaft, sagte gr. Macke. Der Erfolg: Die Abbrecherrate der Strahlemann-Projekte liegt bei lediglich zehn Prozent.

Feldkamps Initiative arbeitet bisher noch „sehr südlastig“

Obwohl sich das preisgekrönte Modell bundesweit bis ins Bildungsminsterium herumgesprochen hat, arbeiten 30 der 32 Talent Companys in hessischen und baden-württembergischen Schulen. Cloppenburg und Hamburg bilden die norddeutschen Ausnahmen. „Wir sind sehr südlastig“, räumt Feldkamp ein, bedingt durch die Gründungsgeschichte, die in Heppenheim begann. Das soll sich nun ändern. „Der Strahlemann ist eigentlich ein Norddeutscher“, sagte gr. Macke. Die Symbolfigur, die der Aktion ihren Namen leiht, hat Feldkamp einst fürs eigene Revers geschmiedet: als Zeichen einer positiven Lebenseinstellung reckt ein Strichmännchen mit großem Herzen den Daumenhoch. Gr. Macke strickt an einem Netzwerk, das in Cloppenburg beginnt. Am 11. Juni sind Paten der Projekte, Sponsoren und Rektoren zu einem „Abendgespräch“ eingeladen, das die Basis verbreitern soll. Beste Erfahrungen haben Schulen in Cloppenburg, Friesoythe und Löningen schon mit der Strahlemann-Initiative „Jobs für Jugendliche“ gemacht, bei der Paten aus der Praxis jungen Menschen an die Hand nehmen. „Bildung ist Herzenssache“, so das Motto der Stiftung: persönliche Ermutigung, auf die eigenen Kräfte zu vertrauen. Gr. Macke und Zurwellen mögen nicht in den Chor der Jugendkritiker einstimmen. Wenn Firmen beklagten, dass junge Leute nicht mehr „ausbildungsfähig“ seien, müsse die Gegenfrage erlaubt sein, ob die Ausbilder es (noch) seien, meinte gr. Macke. Denn Erwachsene müssten sich auch auf die Jugendlichen einstellen, forderte der Vater und Ex-Politiker.

Artikel aus der Münsterländischen Tageszeitung vom Mittwoch, den 16.Mai 2018. Foto & Text: Hubert Kreke

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Auf Kurs in den Norden: Den Strahlemann befördern (von rechts) Clemens gr. Macke, Herbert Feldkamp und Maria Zurwellen in den Norden. Norbert Hauptvogel (links) gratulierte für die Volksbank, der das Domizil an der Sevelter Straße 6 gehört.