„Warteschleife“ entmutigt schwache Schüler

Strahlemann-Stfitung wirbt bei Wirtschaft und Politik um frühe Förderung in der Schule

Die Abwärtsspirale der Entmutigung hat Franz-Josef Fischer in seiner Heimat im Odenwald in Berufsschulen kennengelernt: Wenn dort junge Leute im Berufsvorbereitungsjahr, der bundesweiten „Warteschleife“ für Schüler ohne Abschluss, nach ihrem Berufsziel gefragt werden, schreiben zehn von 100 : „Hartz IV“. Egal, ob das sarkastisch oder ernst gemeint ist: Der Mitgründer der Strahlemann-Stiftung will so viel Selbstaufgabe nicht hinnehmen. „Aus dieser Spirale müssen wir schon Kinder herausholen“, fordert Fischer. Mit dem Cloppenburger Designer und Goldschmied hat der Unternehmer vor 20 Jahren die bundesweit arbeitende Stiftung auf den Weg gebracht. Ihr Ziel: Schon ab Klasse 8 Schüler mit schwachen Leistungen bestärken, ihre Talente zu entdecken und sich ein realistisches berufliches Ziel zu setzen, damit sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen können. Spender, Paten und Firmen unterstützen sie. Ein Baustein und Hilfsmittel auf diesem Weg besuchte Fischer am Mittwoch in Cloppenburg. Die „Talent Company“ der Pingel-Anton-Oberschule ist ein Mulitmedia-Raum in der Kreishandwerkerschaft, der einzig dem Ziel der frühen persönlichen und beruflichen Förderung dient: Schüler trainieren hier unter Anleitung, Bewerbungen zu schreiben und Informationen per PC über Berufsanforderungen zu sammeln. Unternehmen stellen hier ihre Ausbildungsangebote vor, bieten Praktika an und knüpfen erste Kontakte zu möglichen Bewerbern.

„Wir schaffen mit geringem Aufwand hohe Vermittlung“

„Wir schaffen so mit geringem Aufwand eine hohe Vermittlungsquote“, betont Clemens große Macke, der Geschäftsführer der neuen „Außenstelle“ Strahlemann-Nord in Cloppenburg. Sein Ziel: die erprobte und wirksame Arbeit der „Talent Company“ im Norden Deutschlands verbreiten. Denn über 60 Prozent ihrer Absolventen finden laut Fischer direkt nach der Schulzeit einen Ausbildungsplatz. Dennoch konzentrieren sich 28 der inzwischen 30 Talent Companys in Hessen und Süddeutschland. Nur Cloppenburg und Hamburg ragen im Norden heraus. Weitere fünf dieser Einrichtungen sind noch in diesem Jahr bundesweit geplant und bereits finanziert. Sponsoren geben 50000 Euro als Anschubfinanzierung für die Ausstattung und die ersten zwei Jahre, danach sollen örtliche Unternehmen die laufenden Kosten decken. Das funktioniert mit Branchenriesen wie Porsche, ABB oder J.P. Morgan schon, schließt aber auch Mittelständler wie Werkzeughersteller Knippex nicht aus. Das Interesse der Firmen liegt auf der Hand: Angesichts des wachsenden Fachkräftemangels und der zunehmenden Klagen über die angebliche „Ausbildungsunfähigkeit“ von Schulabsolventen können Personalchefs wirklich interessierte Jugendliche erreichen und womöglich auch für ihr Unternehmen gewinnen. Gerade das Handwerk leide unter dem Nachwuchsmangel, bestätigte die Bundestagsabgeordnete Silvia Breher (Löningen) bei dem Treffen in der Cloppenburger Talent Company, die seit fünf Jahren auch anderen Schulen offensteht. Im Vordergrund steht jedoch der Einsatz für junge Menschen. Ihnen fehle oft nur die Ermutigung zu Hause und in ihrem persönlichen Umfeld, so dass sie etwas leisten können, betonte Herbert Feldkamp. Entscheidend für die eigene Motivation sei der Glaube an sich selbst und daran, selbst etwas erreichen zu können.

Breher will im Familienministerium Förderung nachfragen

An Breher trug große Macke den Wunsch heran, im Bundesfamilienministerium für eine Unterstützung der Talent Companys im Norden zu werben. Die Abgeordnete sagte, es sei erschreckend, wenn junge Menschen „auf dem Weg ins Leben verloren gehen“. Diese Abwärtsspirale müsse mit allen gesellschaftlichen Mitteln unterbrochen werden. „Strahlemann setzt genau da an“, sagte die Löningerin, die nun Fördermittel für neue Talent Companys ausloten will.

Artikel aus der Münsterländischen Tageszeitung vom Montag, den 20.August 2018. Foto & Text: Hubert Kreke


Auf dem Foto:
Scharen sich um Strahlemann: (von links) Gründer Franz-Josef Fischer aus Heppenheim, Mitarbeiterin Maria Zurwellen, Geschäftsführer Clemens gr. Macke, Gründer Herbert Feldkamp, die Abgeordnete Silvia Breher und Rektor Johannes Bockhorst.